Die Geschichte – Das Baudenkmal

 Vom Abrissobjekt zum Kulturdenkmal

Fast 40 Jahre hat es gedauert, bis sich die Einstellung der Gesellschaft zu ihrem baukulturellen Isestraße 141/143 - gleiche Höhe, 2 Etagen mehr!Erbe grundlegend geändert hat. Altbauten des Jugendstil sind heute sehr gefragte „Objekte".

Stellen Sie sich vor, Anfang der 1970er Jahre war der Abriss des Eckgebäudes Hayn-/Hegestraße schon beschlossene Sache. Die Abrissgenehmigung des Bezirksamtes lag vor. Der neue Eigentümer wollte den „alten Kasten" weghaben, um mit einer wesentlich größeren Wohnfläche Profit machen zu können.

Diese Rechnung wäre fast aufgegangen, hätte nicht die studentische Bewohnerschaft mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dieses Vorhaben verhindert.

Heute ist das Haus als Zeuge seiner Zeit und besonders schätzenswertes Objekt von der Kulturbehörde in die Liste der Hamburger Baudenkmale aufgenommen worden. Laut Denkmalschutzamt ist der Gebäudekomplex ein außergewöhnliches Beispiel Hamburger Jugendstilarchitektur. Es ist eines von wenigen Häusern, das in seinem Äußeren wie im Innern in weiten Teilen noch im Originalzustand erhalten ist.

Doch der Zahn der Zeit nagt an Struktur und Materialien. Die konstruktiven Lösungen der vorletzten Jahrhundertwende zeigen heute ihre Schwächen. Rostende Stahlträger, zerfressene Stuckreliefs und gerissene Putzflächen sind deutliche Zeichen des beginnenden Zerfalls.

Putzabplatzung am FenstersimsRostende Stahlträger Fenstersturz

Auf Grund der jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen wurde nie substanziell in die Häuser investiert. Erst seit die Hausbewohner die Mehrheit in der Eigentümerversammlung stellen, hat sich das geändert.

Die Sanierung wird jetzt mit äußerster Sorgfalt vorgenommen. Das Ziel ist eine nachhaltige Instandsetzung, die den Detailreichtum und den architektonischen Ausdruck des Hauses bewahren soll.

StuckreliefMuschelkalk-MedaillonKupferrosetteFensterteilung

Nachdem die zahlreichen Farbschichten der Fassade abgetragen waren, zeigte sich, neben den unzähligen Substanzschäden, Mittelrisalit nach dem Abbeizenvor allem, welch baukünstlerische Besonderheit zum Vorschein kam. Der Mittelrisalit sowie das Portal der Hauptfassade bestanden aus Naturstein.

Die Expertin vom Denkmalamt veranlasste eine mineralogische und mikroskopische Steinbestimmung durch das Norddeutsche Zentrum für Materialkunde von Kulturgut. Die Untersuchung ergab, dass es sich bei diesem Naturstein um einen dolomitischen Kalkstein handelte. Die Aussicht, ein besonderes Zeugnis der Jahrhundertwendearchitektur des frühen 20. Jahrhunderts dauerhaft zu erhalten, veranlasste die Kulturbehörde, die äußerst aufwändige Sanierung des Muschelkalk-Portals mit Mitteln des Denkmalschutzes zu unterstützen. In einem ausführlichen Gutachten wurde die Besonderheit des Gebäudes herausgestrichen und deren baukünstlerische Bedeutung für die Allgemeinheit dargelegt.

Da es sich bei dem Förderbetrag, den das Denkmalamt als angemessenen Baukostenzuschuss ermittelte, um eine Summe handelte, die die Zustimmung der Deputation der Kulturbehörde erforderlich machte, musste das Projekt diesem Gremium vorgestellt werden.

Doch die Enttäuschung war groß. Die Deputation, als politisches Gremium, entschied nicht nach inhaltlichen, die Baukultur fördernden Aspekten, sondern lehnte einen Zuschuss, offensichtlich aus politischen Gründen, ab.

Hamburgs ältestes Wohnprojekt, mit seiner „aufmüpfigen Hausgemeinschaft", soll nicht durch Finanzmittel der Freien und Hansestadt Hamburg unterstützt werden. Die Arbeit eines Jahres, die begleitet wurde von fortwährenden Versprechungen und Beteuerungen des Denkmalamtes hinsichtlich einer Förderung, zerstob, für beide Seiten, Bewohner wie Denkmalschützer, in einer ideologischen Willkürentscheidung uninformierter und vorurteilsbeladener „Kulturpolitiker".

Pfeiler EingangsportalMuschelkalk-Relief

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